Roadtrip mit Schlachtschiff

10. August 2017, 20:19 Uhr, Alameda County Fairgrounds, CA

Das Abenteuer mit unserem Campervan ist nun fast schon wieder vorbei. Wir sind am frühen Abend auf den RV Stellplatz direkt an einer Driving Range gefahren. Aber von vorne.
Das Abenteuer begann schon in L.A. Wir nahmen (wieder) die Bahn von North Hollywood, wo uns Maria mittags abgesetzt hat. Nach einer halben Stunden umsteigen – 7th St/Metro Center. Die Anschlussbahn Richtung Long Beach kam verspätet und war entsprechend voll. Wir ergatterten Sitzplätze und beobachteten die verrückte Crowd. Ein bisschen U3 St. Pauli, ein bisschen U2 Mümmelmannsberg. Vom Verkäufer der alles dabei hatte (Mini-Ventilatoren, Schlüsselbänder, Alkohol, nur keine Plastiktüten ?!?) bis zur verrückten, Selbstgesprächeführenden Lady mit Hund und dem unverbesserlichen Gangster Typen, der laut Musik hört.

Nach 45 Minuten waren wir da. Ja, wo waren wir eigentlich? Nur 2 Stationen hinter dem kalifornischen Epi-Zentrum des Rap, Compton. An der Station Artesia war nichts außer eines riesigen Open-Air Busbahnhofs. Leider fuhr keiner der Busse zu unserer Apollo Abholstation. Dabei war der Bahnhof so groß, dass wir nicht herausgefunden haben. Zum Glück gibt es ja Uber. Und Lyft, das Konkurrenzunternehmen. Ein paar Tipper auf dem Handy und schon wurden wir mitten im Nirgendwo abgeholt. Von Josh, einem jungen Typen aus dem wunderschönen Huntington Beach in Orange County. Da hatte er einige Meter gemacht in seiner Schicht. 15 Minuten und 5$ später waren wir beim Apollo-Verleih, einem Ort der noch fragwürdiger war als Artesia, oder Compton…

Drinnen lief alles wie erwartet. Anmelden, ausfüllen, den Verleih von sämtlicher Verantwortung freisprechen. Nicht so geil fand ich die Frage nach unserer Abgabestation. Es seien schon ein paar andere da gewesen, deren gebuchter Abgabeort Denver war, wo aber Seattle im System hinterlegt war. Ein nicht unerheblicher Unterschied was die Entfernung angeht. Warum ruft man nicht kurz an und fragt bevor sich die Leute auf den Weg ins Niemandsland machen. Naja, bei uns alles gut.

Bevor die zierliche Dame unseren „minnie Winnie“ aus der Parklücke fuhr, dachten wir noch, der ist ev. etwas größer als unser RV in Australien. Spätestens als er in voller Pracht quer vor uns Stand war klar, sowas haben wir noch nie gefahren. Und das war noch nicht alles. Man kann das Wohnzimmer per Knopf um 50cm erweitern. Nach kurzem Überlegen war ich diejenige die das Teil auf die Autobahn und zurück nach Porter Ranch bringen sollte. Zuletzt war ich so nervös beim Autofahren als ich zum ersten Mal auf der linken Strassenseite fahren sollte. Die 90 Grad Kurven und vielen Ampeln haben es nicht leichter gemacht. Als ich dann im Stau auf der ersten Autobahn war, ging es dann aber. Es ist schon ein Schlachtschiff. Ein 1A Windfänger leider auch.
Maria war ziemlich beeindruckt als das Teil vor ihrer Tür stand. Als wir unsere Sachen ins Auto geladen hatten und eigentlich startklar waren, fiel uns ein dass wir seit unserem Obstfrühstück vor 7 Stunden nichts gegessen hatten. Eine willkommene Gelegenheit um In ‚N Out Burger einen Besuch abzustatten. Praktischerweise war der Walmart nebenan. Irgendwie haben wir dann die Zeit aus den Augen verloren und waren tatsächlich erst um 7 auf der Straße.

Unser Ziel war Harris Ranch irgendwo im Nirgendwo, aber direkt am I-5, damit wir möglichst keine Zusatzkilometer zahlen müssen. Ole hat online einen Tipp gefunden, wo es hieß hier dürfe man sein Wohnmobil kostenfrei und sicher übernacht abstellen. Also haben wir es drauf ankommen lassen und dachten uns im schlimmsten Fall würden wir direkt auf einer Autobahnraststätte/Parkplatz übernachten. Immerhin haben wir ja alles was wir brauchen dabei. Wasser, eine Dusche, Strom, Klimaanlage, Bett… Mehr geht nicht. Und so sind wir 3.5 Stunden entspannt in den Sonnenuntergang gefahren. Zwischendurch hatte unser Mobil ganz schön zu kämpfen. Die Berge sollte man nicht unterschätzen. Wir haben etliche liegen gebliebene Autos und LKWs gesehen, dabei war das nicht mal die Mittagszeit. Viel sieht man ja nicht, aber die Landschaft an sich ist schon aufregend. Wenn man aus den Bergen von L.A. Kommt liegen vor einem mindestens 150 Kilometer kerzengerader Strecke. Nachts kann man das wegen der Autolichterkette besonders gut erkennen.
Harris Ranch hat eine eigene Landebahn, besteht aber ansonsten im Wesentlichen aus einer Hotelanlage und einer Tankstelle. Dafür war es überraschend ruhig. Wenigstens bis in den frühen Morgenstunden die Lubbläser loslegten. Und gerade als ich wieder eingeschlafen bin kamen sie zurück. So nach dem Motto, hey ihr Schmarotzer, wacht auf. Um 8:30 Uhr war klar, Laubbläser 1, Marlen 0. Müde pellte ich mich aus dem Schlafsackinlett, was in dieser warmen Sommernacht als Decke zweckmäßig war.

Wir haben uns dann seeehr viel Zeit gelassen bis wir die Frühstücksflocken intus und einen Plan aufgestellt hatten. Wir würden kurz vor San Francisco auf einem Campingplatz oder besser RV Parkplatz nächtigen, früh aufstehen und zum Verleih fahren. Landschatflich wurde wenig geboten. LandWIRTschaftlich leider auch. Hier kann man vor allem Massentierhaltung und Monokulturen bewundern. Kühe und Avocados, soweit das Auge reicht und das im wahrsten SInne des Wortes.  Die Fahrt war dem entsprechend auch geruchlich sehr einprägsam.

Wir haben’s uns nicht nehmen lassen die vorgelagerte Outlet-Mall auszuchecken. Das hat es wieder wett gemacht. 😉

Auf dem Stellplatz musste Ole sein Können im Bereich Gas, Wasser, Scheisse unter Beweis stellen. Das Abwasserrohr sollte angeschlossen werden und verursachte gleich mehrere Probleme. Unter anderem hat Ole es geschafft den Schlauch im eigens dafür vorgesehenen Kasten zu verhaken, sodass er ihn mit bloßem Arm rausziehen musste. Auch eine Erfahrung wert.

Mit Frischwasser und Generatorfreiem Strom geht’s noch besser.. Morgen früh bringen wir das Teil soweit in Schuss, dass wir es rechtzeitig abgeben können. Dann geht es weiter. Das Wochenede werden wir in San Francisco verbringen. Wir sind gespannt!

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