Santa Rosa – Sacramento – Klamath Falls aka auf Irrwegen

Portland, Oregon, 19. August 2017, 21:30 Uhr

Am nächsten Morgen machte sicher „late Checkout“ bezahlt den eigentlich jedes Hotel anbietet. Wir konnten bis mittags faul im Bett liegen. Das kam uns natürlich sehr entgegen, denn der Bus sollte ja erst um halb 3 losfahren. Gefrühstückt haben wir dann schön ungesund im vorgelagerten Diner, sind dafür aber mit Sack und Pack wieder in die Stadt gelaufen, ohne Bierpause!
Obwohl wir uns Zeit gelassen haben mussten wir noch 1 Stunde mit den ganzen Freaks am Busbahnhof warten. Als der Bus ankam, war der schon so voll, dass wir natürlich nicht nebeneinander sitzen konnten. Aber sollte ja nicht für lange sein. Wir sollten wieder ein Mal umsteigen in Oakland. Nun ist das wirklich kein Ort an dem man lange Zeit verbringen möchte. Schon nach einer halben Stunde Warterei, teilte man uns mit, dass der Bus nach Sacramento Verspätung haben würde. Unser Zug ging aber um Mitternacht von Sacramento und es war noch nicht mal 17 Uhr. Wir waren also leicht genervt aber entspannt. Dann lies man uns wissen, dass der Bus mindestens 2 Stunden verspätet sein würde. Das fanden wir dann schon nicht mehr so geil, da unser erster Bus ja schon 1 Stunde Verspätung hatte und wir deswegen unseren eigentlichen Anschluss nicht bekamen. Jetzt lagen zwischen der planmäßigen und der tatsächlichen Ankunft schon 3,5 Stunden. Bevor wir uns aber richtig darüber aufregen und über Alternativen nachdenken konnten, wurde uns gesagt, der Bus kommt nun gar nicht mehr… Super.

Wir hatten uns ziemlich schnell darauf geeinigt, dass wir mit Lyft oder Uber die restliche Strecke fahren würden. Estmal wollte ich aber das Geld für unsere Tickets wiederhaben. Das Personal war vorsichtig formuliert ziemlich bräge… Und natürlich schlecht gelaunt. Nachdem man uns erst gar nicht helfen wollte, hat der Busbahnhof Chef für alle angekündigt die Tickets würden erstattet oder könnten umgebucht werden. Nun wollten wir aber auf gar keinen Fall jemals wieder mit diesen Bussen fahren. Als erste in der Schlange wollte ich also mein Geld zurück. Sie schienen mehr als überfordert zu sein, als wäre das noch nie vorgekommen, was ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann. Schließlich sagte man mir sie könnten es nicht in bar erstatten, denn so viel Geld hätten sie nicht da. Bitte was?! Ich fragte, ob man es nicht auf die Karte zurückbuchen könnte mit der bezahlt wurde. Nein, das würde nicht gehen, da unsere Tickets bereits einmal neu ausgestellt wurden (man beachte, das ist nur passiert, weil deren Bus Verspätung hatte und wir deswegen einen späteren Anschluss hätten nehmen müssen). Das System würde es ihnen nicht erlauben.
All mein Fluchen hat also nix gebracht. Man händigte mir ein Formular aus. „Ausfüllen und nach Texas schicken bitte. Machen Sie aber vorher eine Kopie Ihrer Tickets. Die Kollegen werden sich dann innerhalb von 46 (!!!) Wochen bei Ihnen melden.“ Waaaaas?! Ich konnte nix machen. Das Geld werden wir wohl nie wieder sehen, aber wir werden es probieren.

Immerhin haben wir einen Typen kennen gelernt, der auch mit dem Lyft nach Sacramento wollte. Und so konnten wir die $100 für die Fahrt durch drei teilen. Ohne Frage, war das die netteste, schnellste und bequemste Art und Weise nach Sacramento zu fahren. Unser Fahrer Michael war super nett und spielte gute Musik. Unser neuer Freund war richtig gut drauf und hat total viele interessante Stories zu erzählen. Wir haben uns natürlich auch über die politische Lage in den Staaten unterhalten. Nur ein paar Tage vorher gab es einen Nazi Aufmarsch bei dem eine Frau ums Leben kam. Dadurch fachte im Land eine neue Debatte um „white supremacy“ auf. Die Jungs sagten, wie unglaublich das für uns als Deutsche sein muss. Noch interessanter war die Unterhaltung weil die beiden Schwarze waren und leider viel negative Erfahrungen gesammelt und dadurch nochmal einen differenzierteren Blick auf die Dinge haben. War auf jeden Fall super aufschlussreich und eine willkommene Abwechslung, denn außerhalb unseres Freundeskreises hier kann es schwierig sein eine intelligente Unterhaltung mit offenen Leuten zu führen. Nebenbei stellte sich raus, dass unser Mitfahrer lange Zeit Teil einer Band war, die wir ganz gut finden (sein Cousin ist Michael Franti und die Band heißt Spearhead). Dadurch ist er wohl viel rumgekommen auf der Welt und war unter anderem schon oft in Hamburg. Er stellte sich uns auch als „Radio“ vor, kurz für MC Radioactive. Hätten wir ja drauf kommen können. 😀

Noch kurz vor Einbruch der Dunkelheit kamen wir am Bahnhof in Sacramento an. Ein schickes Teil. Hatte etwas von einer Kirche. Sacramento wirkte auf jeden Fall aufgeräumter und schicker als die anderen Städte. Wir hatten dann doch noch ziemlich viel Zeit zu überbrücken. Der Nachtzug war natürlich auch zu spät. Fast 2,5 Stunden waren es am Ende.

Wir beschlossen die Zeit sinnvoll zu nutzen, haben unser großes Gepäck schonmal eingecheckt und sind zum Fitnessstudio um die Ecke gelaufen. Wir waren zwar schon müde als wir ankamen, aber wussten dass wir uns danach auf jeden Fall besser fühlen. Und die Dusche danach war ja auch ganz praktisch.

Natürlich hatten wir Hunger danach, dummerweise macht in Downtown Sacramento alles schon früh zu und die nächsten Fast Food Läden waren eine halbe Stunde weit weg. Nach viel hin und her überlegen – und abwägen zwischen Fast Food und Reigel/Chips aus dem Automaten, haben wir uns ein Lyft zu Denny’s bestellt, wo man immerhin Salat essen konnte. Leider hatten wir nicht bedacht, dass Lady Gaga soeben ihr Konzert beendet hatte und alle zig tausend Konzertbesucher dieselbe Idee hatten. Denny’s hatte es wohl auch nicht bedacht, denn es gab nur 2 Kellner. Nach 15 Minuten warten ohne bestellt zu haben, mussten wir einsehen, dass es heute wohl nix mehr wird. Wir haben uns ein billiges Sandwich und einen Apfel bei der Tanke nebenan geholt und wollten wenigstens zurück laufen.

Nach ein paar hundert Meter fand ich die Idee dann nicht mehr so gut. Die Straße vor uns wurde immer dunkler und ringsherum war nichts als brachliegendes Industriegelände, rechts verlief ein Fluss. Wir sahen ein paar Obdachlose, die um Feuer herumsaßen, ansonsten Dunkelheit und keine Leute oder Autos. Wir sollten unter einer großen Brücke durchlaufen am Flussufer, kurz vorher beschloss ich dass es dann auch mal gut ist und wir sind über die Brücke gelaufen ohne zu wissen ob das der richtige Weg ist. Hundert Meter weiter oben, sah ich unter der Brücke einen Koyoten rumlaufen und war ganz froh wieder unter Straßenlaternen gehen zu können. Nach einer halben Stunde waren wir zum Glück wieder am Bahnhof.

Das Boarding vom Zug glich einer Einweisung beim Militär. Die Zugbegleiterin nahm ihrenn Job ziemlich ernst und wir mussten immer brav in Reih und Glied stehen mit unserem kleinen, von ihr handbeschriebenem Zettel griffbereit. Irgendwann kam dann auch der Zug und wir bekamen unsere Sitze zugewiesen. Für den ersten Teil unserer Zugfahrt wollten wir im unteren Abteil des Doppeldeckers sitzen. Es war ja eh dunkel, von daher gab es auch nichts zu sehen. Was die Beinfreiheit betrifft können sich die Airlines mehr als eine Scheibe abschneiden. Die Sitze ließen sich total weit zurückstellen, es war bequem, dunkel und da es kein Durchgangsabteil war auch relativ ruhig. Ich konnte auf jeden Fall ein paar Stunden schlafen. Nur eine Decke hätte ich einpacken sollen, es war schon ziemlich frisch.

Morgen konnten wir den Vorhang öffnen und wurden gleich mit wunderschönen Ausblicken belohnt. Wir haben uns einen Kaffee geholt und haben auch den Rest der Fahrt total genossen.

Vormittags kamen wir an unserem ersten Ziel an, Klamath Falls. Dazu später mehr.

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